You're now chatting with a random stranger. Say hi! (Teil 1)

Seit ich mich erinnern kann, war ich einer dieser Menschen die gerne alleine sind. Dennoch hatte ich immer den Drang mich zu sozialisieren, sei es nur über ein Chatfenster - Ein Gedanke den ältere Generationen oft nicht nachvollziehen konnten. Und auch im echten Leben, habe ich immer die Nähe zu Freunden gesucht, mich größtenteils aber nie geöffnet. Freunde wussten wie ich über gewisse Themen denke. Sie kennen meinen Hass und meine Fehler. Aber Sie wissen nicht was diese mit mir machen. Auch unter Freunden habe ich mich schnell alleine gefühlt. Merkwürdig der Gedanke, dass ich Geborgenheit empfinde, wenn ich einen Eintrag schreibe, mein Herz vor fremden Leuten ausschütte. Die Art von Geborgenheit die ich zuvor nirgendwo anders erfahren habe.

Es braucht keinen Psychologen um zu erkennen, dass alles was mich am Leben hindert, Angst ist. Mein Leben war mir immer so wertvoll, ich habe es nie aus der Glasvitrine genommen. Inzwischen weiss ich aber schon, dass ich mein Leben so nicht weiter führen kann. Ich war zwischenmenschlich nie besonders gut, immer eher der merkwürdige Typ. Um das irgendwie zu verbessern, habe ich angefangen eine Internetseite zu besuchen, auf der man (mit Webcam) einer fremden Person gegenüber steht. Ich habe größtenteils mit Männern geredet, meistens aber das Mikrofon aus gemacht und nur geschrieben. Langsam kam dann auch der Mut auf, mal mit Frauen zu schreiben. Ich war immer unzufrieden mit meiner Optik, insofern kostete es mich unglaubliche Überwindung mich auf dieses System einzulassen. Denn im Endeffekt kannst du mit einem klick zum nächsten Fremden, heißt natürlich, dass das ganze auch sehr oberflächlich sein kann. Oft habe ich mich dabei erwischt wie ich hübsche Frauen wegklickte, bevor sie es tun konnten. Ich hatte letztendlich dann auch 2,3 Gespräche, größtenteils aber eher langweilig. Frauen langweilen mich in der Regel leider sehr schnell. Mit Deutschen habe ich ich mich aber dort nie unterhalten, ich fand immer das würde den Zweck verfehlen, mein englisch etwas aufzubessern und Dinge über fremde Kulturen zu lernen.

Mein Leben hatte sich dann schnell einem Rythmus gefügt. Arbeiten gehen und auf Mindestlohnbasis seine Seele an der Maschine verlieren, nach Hause kommen, kiffen und chatten. Es hat mich zwischenmenschlich zwar nicht verändert, ich bin immer noch ein schlechter Gesprächspartner, vorallem wenn es um Smalltalk geht, aber es hat mir doch spaß gemacht. Hier und da hat man tatsächlich was gelernt. Oft war es aber auch Stundenlanges "skippen" von Gesprächspartnern. Ich selbst erwischte mich Teil dieser Oberflächlichkeit zu werden, die diese Seiten prägen.

An einem dieser Tage bin ich dann auf ein Mädchen gestoßen. Erster Eindruck "Wow!". Da starre ich diesen fremden Menschen  also eine Sekunde lang an, für mich hatte sich das natürlich viel länger angefühlt. Sie schaute zurück, ein Hauch von Verwirrung überzog ihre Miene. Mein Cursor bewegte sich zögernd, aber doch gewiß in Richtung des "Stop"-Buttons. Wieder das Gefühl, versagt zu haben, wieder das Gefühl, mit jedem Klick "Nein" zu Möglichkeiten, zu Begegnungen zu sagen. Wieder das Gefühl mein Leben auf höchstem Niveau zu verschwenden... Doch dann lächelte sie.

2.4.16 18:53
 
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